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(1906 [Altrip] - 1991 [Wiesbaden])



Alo Altripp war ein Maler der jüngeren deutschen Kunst und ist insbesondere ein Vertreter der deutschen Nachkriegskunst. Seine Anfänge liegen in der Neuen Sachlichkeit. In jungen Jahren bevorzugte er die Stift-Zeichnung sowie das Malen mit Ölfarbe. Später kam Kreide hinzu, und ab den 50er Jahren konzentrierte er sich auf das Aquarell. Von der Gegenständlichkeit der frühen Jahre kam er sehr bald zur Abstraktion, gehörte zu den frühen Vertretern des Informel und fand ab den 60er Jahren zu einer ganz eigenen abstrakten Bildsprache. Sie löste auch die großen Formate der frühen Jahre ab und zeigt eine Verdichtung im kleineren Format. Sie schien ihm angemessen für ein meditatives Ausdruckswollen, das zugleich seine Geisteshaltung beschreibt. Zeitlebens fühlte er eine innere Verwandtschaft zu Klee, Feininger, Jawlensky, Nay und Ende (Edgar), mit denen er zum Teil engen persönlichen und künstlerischen Austausch pflegte.

Plakat, 1947 (Hessisches Hauptstaats-Archiv)

Zum Leben und Wirken:

  • Bernd Fäthke, Alo Altripp - Von Farben, Formen und Nichtfarben, Wiesbaden 2009 (ISBN 978-3-00-029529-4).
  • Helga Lukowsky, Christa Moering. Ein farbenreiches Leben. Malerin, Königstein 1999; vgl. hier die Seiten: 27, 37, 41, 67, 74, 117. (Christa Moering war die erste Ehefrau von Alo Altripp.)
  • Vgl. Wikipedia. (Der Eintrag auf der Seite von Wikipedia stammt nicht vom Verantwortlichen dieser Internetseite.)
  • Vgl. Pfälzische Sezession.
  • Zum Zusammenhang mit der Kunst-Szene in Wiesbaden.
  • Liste mit einer Auswahl an Literatur über Alo Altripp.

Hinsichtlich seiner Kontakte zu anderen Künstlern:

  • Bernd Fäthke, Jawlensky und seine Weggefährten in neuem Licht, 2004.
  • Stefan Frey (Hrsg.), "In inniger Freundschaft". Alexej Jawlensky - Paul und Lily Klee - Marianne Werefkin. Der Briefwechsel, 2013.


Alo Altripp zeichnet die Stephans-Krone im Central Collecting Point Wiesbaden nach dem Zweiten Weltkrieg.

Hier arbeitete er u.a. mit Walter Farmer zusammen, der als Offizier der US Army für die Sammlung der Kunstschätze in der amerikanischen Besatzungszone zuständig war. Von ihm ist im Jahre 2000 eine Biographie ("The Safekeepers, A Memoir of the Arts at the End of World War II") erschienen, der 2002 eine deutsche Übersetzung ("Die Bewahrer des Erbes. Das Schicksal deutscher Kulturgüter am Ende des Zweiten Weltkrieges", Verlag de Gruyter) folgte. Darin schreibt er (ebd., S.43f.):

"Seit einigen Wochen schon hatte ein Künstler immer wieder die Militärverwal­tung aufgesucht und seine Zwangslage erläutert, aber keiner schien ihn wirklich zu verstehen. Zusammen mit einem Kollegen befragte ich ihn und es stellte sich heraus, dass er ein ganz einfaches Anliegen hatte. Er gab an, von den National­sozialisten verfolgt worden zu sein und bat nun um eine offizielle Erlaubnis, seine Arbeit wieder aufzunehmen. Alo Altripp war einer derjenigen Künstler, die von den Nationalsozialisten als "entartet" eingestuft worden waren. Im Jahre 1933, als die Aktionen gegen die internationale Moderne zunahmen, hatte ein Stoßtrupp auch eine Ausstellung von ihm in Essen gestürmt und geschlossen. Die Gestapo erteilte ihm Malverbot. Er arbeitete natürlich trotzdem im Verbor­genen weiter und riskierte sein Leben, um Farbe und Leinwände zu besorgen. Ich betrat sein Atelier und als ich es wieder verließ, war ich ein anderer Mensch.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ich ein Anhänger der klassischen Malerei, der die moderne Kunst und ihre Bewegungen ablehnte und verachtete. Als Picassos großartiges Wandgemälde Guernica im Cincinnati Art Museum gezeigt wurde, hatte mein guter Freund und Kunstlehrer Ernestine Evans vergeblich versucht, mir seine Ausdruckskraft näher zu bringen. Fünf Jahre später zeigte mir Altripp in seinem Atelier Bilder, die er mit gewöhnlicher Wandmalfarbe und mit zu Pinseln umfunktionierten Gummischläuchen geschaffen hatte. Seine Sprache war expressiv und voller Gesten und Schmerzensrufe. Er zeigte mir, wie seine Bil­der zugleich Verzweiflung und Hoffnung ausdrückten, wie er sie während seiner Arbeit im Verborgenen gefühlt hatte. Selbst als "entarteten Künstler" hatte man ihn zum Militärdienst herangezogen und im untersten Rang eines Wehr­machtsoldaten eingestuft. Er tat seinen Dienst als Stalljunge. Diese Beschäfti­gung bewahrte ihn vor regelmäßigen Inspektionen und so konnte er seine Malerei in den Pferdeschuppen fortsetzen. Irgendwoher trieb er Papier auf und nahm Benzin als Lösungsmittel. Mir wurde klar, dass sie diesen Menschen, hätten sie ihn beim Malen ertappt, sofort in ein Konzentrationslager gesteckt und erschossen hätten. Alos Aufrichtigkeit und die Schönheit seiner Bilder veränderten meine Sicht des modernen Künstlers für immer und machten mich endlich empfänglich für zeitgenössische Kunst.

Im Angesicht der Authentizität seiner Emotionen und seiner Hingabe erkannte ich, wie falsch es war, moderne Künstler als Scharlatane abzutun. Mir fielen sprichwörtlich die Schuppen von den Augen, als wir uns Kunstbände aus den Beständen des Museums ansahen. Anhand der Abbildungen in Ausstellungs­katalogen führte mich Altripp geduldig durch die von mir verschmähte Welt des Kubismus, des Expressionismus und der Abstraktion, der internationalen Kunst­richtungen eben, die er an den Schulen und Akademien in Mainz, München und Dresden studiert hatte. Nachdem die Gestapo seine Ausstellung verboten hatte, suchte er einen weiteren "Entarteten" auf, nämlich Paul Klee, der ins schweize­rische Exil geflohen war, nachdem die Nationalsozialisten das Bauhaus geschlos­sen hatten, Deutschlands berühmteste Schule für moderne Kunst, dem Klee als Mitglied der Fakultät angehört hatte.

Während meiner Zeit in Wiesbaden wurde Altripp mein geschätzter Freund und Lehrer. Ich kaufte einige Bilder von ihm, die noch heute in meinem Wohnzimmer hängen, die mich erbauen und mich Demut lehren. Als ich im Anschluss an meine Wiesbadener Zeit nach Amerika zurückkehrte, konnte ich ihm helfen, einige Bilder im Museum of Modern Art und bei einem Kunsthändler in New York unter­zubringen. Etwas später organisierte ich eine Ausstellung seiner Bilder in Houston, Texas, und verhalf ihm zu einer Mitgliedschaft und Anstellung bei der Barns Foundation in Pennsylvania. Wir blieben Freunde bis zu seinem Tod im Jahr 1991. Ich hoffe sehr, dass er eines Tages die Aufmerksamkeit erhält, die seinem Schaffen gerecht wird." © 2002 Walter de Gruyter GmbH & Co. KG, Berlin/Boston

(Ich danke dem Verlag de Gruyter für die Erlaubnis, diesen Ausschnitt hier wiedergeben zu dürfen.)

Über den Collecting Point Wiesbaden und Walter Farmer hat der Hessische Rundfunk am 13.6.2013 einen Beitrag ausgestrahlt, der hier nachzuhören ist. Darin wird auch Alo Altripp erwähnt. Das Manuskript der Sendung kann hier herunter-geladen werden.






Arbeiten von Alo Altripp befinden sich in öffentlichen Sammlungen von Merion (USA, Barnes Foundation), New York, Bochum, Gelsenkirchen, Hannover, Kaiserslautern, Kassel, Ludwigshafen, Mainz, Mannheim, Graphische Sammlungen München, Wiesbaden, Witten, "Sammlung zeitgenössischer Kunst der Bundesrepublik Deutschlands", Mallorca (Museo de Bellas Artes Santa Cruz de la Palma [ehem. Slg. Galerie Marbach, Basel]). Eine Liste mit Ausstellungen der Bilder von Alo Altripp finden Sie hier: Ausstellungen.

Zur Ausstellung

In diesem Zusammenhang ist auf den Verein "Kunstarche Wiesbaden e.V." hinzuweisen, der seine Arbeit im Jahre 2011 aufgenommen hat:

  • "Entdecken - Bewahren - Erforschen. Das Projekt Kunstarche Wiesbaden e.V. und die Kunst nach 1945". Eine Informationskarte zur Ausstellung vom 16.1. bis 4.3.2012 ist hier hinterlegt.

Sammlungen (u.a.):

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